Korrespondenz des Grundkurses mit dem Autor Jens Sparschuh

Sehr geehrter Herr Sparschuh!

Ihre Lesung am Clavius-Gymnasium in Bamberg war Anlass für unseren Deutsch-Grundkurs, ihren Roman "Zimmerspringbrunnen" im Unterricht durchzunehmen. Wir haben Ihr Werk mit Vergnügen gelesen und besprochen. Zum Abschluss der Lektüre wollen wir Ihnen einige Fragen stellen:

  1. Ist Ihr Buch eine harte Kritik am Kapitalismus, der einen einfachen Menschen wie Hinrich Lobek zerstört, oder eher eine spielerisch-amüsante Satire? 

  2. Wie hoch ist der Anteil wahrer Einzelbegebenheiten?

  3. Warum gaben Sie  Ihrem Buch einen offenen Schluss?

  4. Wieso haben Sie sexuell "ausgefallene" Praktiken (Sado Maso, Homosexualität) in Ihren Roman eingebracht?

  5. Wieso verwenden Sie als Verkaufsobjekt ausgerechnet einen Zimmerspringbrunnen?

  6. Woher haben Sie diese guten Vertreterkenntnisse (Insiderwissen)?

  7. In Ihrem Buch beschreiben Sie Lobeks Träume. Was halten Sie von Traumdeutung?

  8. Was halten Sie von der Interpretation auf unserer Kurshomepage?
    http://www.bnv-bamberg.de/home/ba4613/dgk/

  9. An welchen (literarischen) Projekten arbeiten Sie zur Zeit?

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns einige Fragen beantworten können.
Dafür möchten wir uns bereits im Voraus bedanken.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

Philipp Aas, Niclas Auerbach, Oliver Bäuerlein, Mirco Bergmann, Susanne Bloß, Christian Böttger, Christian Brunner, Bettina Emrich, Johannes Faatz, Marlene Hartmann, Mario Imhof, Simon Keidel, Christian Körner, Anne-Mone Kuhn, Nina Lang, Thomas Möhrlein, Jörg Panzer, Melanie Riemer, Frederic Salarnier, Boris Schadel, Florian Schlund, Andreas Schütz, Sebastian Schwarz, Christian Stängle, Joachim Stiegler, Sabrina Winkler

und Ulrich Koch (Kursleiter)

Lieber Herr Koch, liebe Schülerinnen und Schüler -  

vielen Dank für Ihre Nachricht vom 20.2.; ich werde mich bemühen, Ihnen etwas zu den Fragen zu schreiben, obwohl mir die Zeit ein bißchen im Nacken sitzt. Also, in aller Kürz

1. Ich glaube nicht, daß man das so scharf trennen sollte: harte Kritik auf der einen, amüsante Satire auf der anderen Seite. Wenn man den Helden in einer dämlichen Situation erlebt und darüber lacht, dann macht man sich ja vielleicht auch Gedanken darüber, wie er in diese Situation gekommen ist. Das ist vielleicht mehr wert als eine "harte" Kapitalismuskritik, die überhaupt nicht viel kostet und letztlich nur appellativ ist.
2. Nicht so sehr hoch - biografisch unterscheide ich mich von diesem Helden (und anderen lit. Figuren von mir) beinahe absolut. Aber es kommt ja auf etwas anderes an - auf die "Wahrheit" des Textes, ob der Leser es so, wie es dasteht, "wahr-nehmen" kann. In meinem jüngsten Roman, "Lavater Maske" steht deshalb auch der Satz: "Die Wirklichkeit kann man nur erfinden."

3. Weil der Ausgang dieser Geschichte tatsächlich offen ist, das kann man drehen und wenden, wie man will.
4. Die S/M-Geschichte war einfach dramaturgisch ganz wichtig, weil ich an einer Stelle den Helden mal richtig auf die Bretter knallen lassen wollte. Und wenn Sie die Anschlußstücke lesen, werden Sie sehen, warum es an dieser Stelle steht: weil dann das Tel-Gespr.mit Boldinger kommt usw.(So kommt eines zum anderen und so bauen sich ja schließlich Romane zusammen.). - Homosexualität? Wüßte ich nicht. Im Hobbyraum reden die beiden aneinander vorbei: Strüver vermutet in L. einen Stasimann, so wie L. in S. einen Homosexuellen vermutet.
5. Weil man an einem ZSB herummanipulieren kann. (Das geht Richtung ATLANTIS also.)

6. Es gibt eine große einschlägige Lit., die ich natürlich zur Kenntnis genommen habe.
7. Freud halte ich für Quatsch. - Aber es gibt Träume, und es gibt Deutungen - und manchmal passt es auch irgendwie zusammen.  

Ich arbeite immer an verschiedenen Projekten gleichzeitig. Gerade im März erscheint ein neuer Kinderroman, Stinkstiefel, bei Nagel&Kimche. Aber über die großen Projekte, an denen ich arbeite, rede ich grundsätzlich nicht. Man kann die Lust daran verlieren, wenn man zu viel darüber redet.  
So, ich hoffe, Ihnen ein wenig geholfen zu haben!

Mit besten Grüßen aus Berlin  

Jens Sparschuh