Aus dem 3. Kapitel aus "Katz und Maus"

 

 

 

 

 

 

»Darf ich mal schnell, nur ganz schnell?« Tullas Mund blieb offen.

(....)

Mahlkes war erstens eine Nummer dicker, zweitens um eine Streichholzschachtel länger und sah drittens viel erwachsener gefährlicher anbetungswürdiger aus.

Er hatte es uns wieder einmal gezeigt und zeigte es uns gleich darauf noch einmal (...)

Antrag auf Aufnahme von >Katz und Maus< in die Liste der jugendgefährdenden Schriften

Der Hessische Minister für Arbeit, Wiesbaden,
Volkswohlfahrt den
28 . 9 . 1962
und Gesundheitswesen Adolfsallee 53 und 59
Tel.: 5811

Az.: Vb/52 n—12-27

An die

Bundesprüfstelle für

jugendgefährdende Schriften

532 Bad Godesberg

Postfach 190

Betr.: Antrag auf Aufnahme in die Liste der jugendgefährdenden Schriften

Hiermit wird beantragt, die Schrift Katz und Maus - Eine Novelle von Günter Grass, Hermann Luchterhand Verlag, gemäß § 1 Abs. 1 GjS in die Liste der ,jugendgefährdenden Schriften aufzunehmen. Ein Exemplar des Buches und 25 Abdrucke des Antrages sind beigefügt.

Begründung:

Die Schrift enthält zahlreicheSchilderungen von Obszönitäten,die geeignet sind, Kinder und Jugendliche sittlich zu gefährden.(...) Die beanstandeten Passagen, die 5 derartige bis ins einzelne gehende Szenen mit betonter Ausführlichkeit bringen, sind ohne jeden erkennbaren Sinn in die Erzählung eingestreut worden. Die Art und Weise dieser Darstellungen läßt den Schluß zu, daß sie nur des obszönen Reizes willen aufgenommen wurden. Sie sind geeignet, die Phantasie jugendlicher Leser negativ zu belasten, sie zu sexuellen Handlungen zu animieren und damit die Erziehung zu beeinträchtigen. Sie sind deshalb auch in keiner Weise mit der im Klappentext gedeuteten Absicht des Autors inEinklang zu bringen. Der Inhalt der Erzählung hat das Leben und Treiben von Schülern einer Sekunda-Klasse während des. Weltkrieges in Danzig zum Gegenstand.Im Mittelpunkt steht der Held, oder richtiger gesagt, der von seinen Kameraden zum Idol erhobene »Große Nahlke«, dessen besonders ausgeprägter Halsknorpel (Adamsapfel) als »Attribut frühreifer Männlichkeit zur Ursache aller Taten des Jungen, zur Triebfeder für die >Karriere< bis zum Erwerb einer hohen Kriegsauszeichnung« wird. Die sich in diesem Rahmen abspielenden Schilderungen von einzelnen mehr oder weniger banalen Begebenheiten, die im übrigen ausschließlich negative Erscheinungen aufweisen, verdienen weder vom Stil noch vom Stoff her ein besonderes literarisches Interesse. Wenn auch vielleicht dem Autor eine gewisse Fähigkeit und eine eigene Art des Schreibens nicht abzusprechen ist, kann sein Buch aber unter keinem Gesichtspunkt als der Kunst dienend im Sinne des § 1 Abs. 2 Nr. 2 GjS bewertet werden. Der Band ist Jugendlichen gleichermaßen zugängig wie jedes andere Buch. Darüber hinaus ist, da es sich um eine »Schülergeschichte« handelt, zu befürchten, daß es gerade unter Jugendlichen zu einer verstärkten Verbreitung führt.

Im Auftrag:

gez. Dr. Englert

Antrag auf Aufnahme in die Liste der jugendgefahrdenden Schriften. In: Gert Loschütz: Von Buch zu Buch Günter Grass in der Kritik. Eine Dokumentation. Luchterhand, Neuwied/Berlin 1968, 5.51 f.