Georg Hagel erhält Kulturpreis der Oberfrankenstiftung

Ehemaliger E.T.A.-ler ist Organist der Basilika in Vierzehnheiligen

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Georg Hagel, Organist der Basilika in Vierzehnheiligen und ehmaliger Schüler des E.T.A, erhielt am
24. Oktober 2007 den Kulturpreis der Oberfrankenstiftung.

von links: Regierungspräsident Wilhelm Wenning,
Georg Hagel, Prof. Dr. Günter Dippold


Prof. Dr. Günter Dippold:
Laudatio auf Basilikaorganist Georg Hagel
anlässlich der Verleihung des Kulturpreises der Oberfrankenstiftung
Vierzehnheiligen, 24.10.2007
Es gilt das gesprochene Wort!


Nie hatte ich als Redner eine undankbarere Aufgabe als jetzt. Die meisten von Ihnen haben im Raumwunder Vierzehnheiligen dem Klangwunder der Orgel und ihres Organisten gelauscht, Sie haben diesem begeisterten und begeisternden Musiker zugehört. Was soll ich danach sagen? Wozu noch mit Worten dartun, dass und warum Georg Hagel ein wahrhaft würdiger Kulturpreisträger für die Oberfrankenstiftung ist? Wer sein Spiel gehört hat und wer erlebt hat, wie er über sein Instrument spricht, der weiß genug über die Preiswürdigkeit des Musikers und des Menschen Georg Hagel.
Der Preisträger hat sich selbst die Laudatio gehalten, besser als der beste Redner es könnte. Andererseits muss wohl doch geredet sein – einmal, weil es sich so gehört, und auch, um dem fränkischen Understatement entgegenzusteuern („Noja, der Hoochel, der spillt halt a weng Orchel doo uäm in Fäddseheiling, und eddserd hoddä a weng an Breis grichd“).
In der Tat, wir haben uns daran gewöhnt, dass Georg Hagel das musikalische Leben der Region bereichert, sein Wirken findet alltäglich statt, wenigstens in der Wallfahrtssaison – und es ist dabei doch so gar nicht alltäglich.
Georg Hagel ist 1968 geboren, in eine Hallstadter Familie hinein. Herausragende musikalische Talente sind bis zu ihm nicht bekannt geworden; ein Klavier steht daheim, aber es steht mehr herum. Bis der kleine Bub anfängt, aus eigenem Antrieb und allein auf dem Klavier herumzuprobieren, so lange, bis er Lieder, die er im Kindergarten zu singen gelernt hat, nachspielen kann. Das Talent wird gefördert, seit dem siebten Lebensjahr bekommt er Klavierunterricht. Nach der Grundschule geht er aufs musische Gymnasium. Und das Klavier ist da für ihn mehr als lästige Pflicht. Wenn er von der Schule heimkommt, dann setzt er sich erst ans Klavier, bevor er ißt oder Hausaufgaben macht, dann verarbeitet er seinen Schultag am Instrument, so, dass die Mutter erspüren kann, ob die Schulaufgabe geglückt oder mißlungen ist.
Und wenn er in Hallstadt zur Kirche geht, dann ist sein Platz die Empore, um dem altgedienten Organisten Georg Keck zuschauen zu können. Mit der Oma in die Maiandacht? Ja, aber nur, wenn er zur Orgel auf die Empore darf.
Und auf Anraten des Musiklehrers Fritz Braun tritt er bald in den Bamberger Domchor ein, damals geleitet vom unvergessenen Domkapellmeister Paul Joseph Metschnabl. Das Erlebnis des gemeinsamen Musizierens ergreift ihn. Der Vater muss, als er ihn von der ersten Probe mit dem Auto abholt, das Radiogedudel ausschalten.
Überhaupt, die Eltern. Auch ihnen gebührt, glaube ich, ein Teil der heute sichtbar gemachten Ehre. Denn sie fördern das Talent des Sohnes, und sie tragen selbstverständlich die Belastung: das Fahren zum Klavierunterricht, das Fahren zu den zwei Chorproben pro Woche, dann auch das Fahren zum Orgelunterricht, den Georg Hagel, begeistert vom Spiel des Domorganisten Wolfgang Wünsch, seit seinem 13. Lebensjahr beim Regionalkantor Michael Mzyk erhält. Und bald darf er dem Domorganisten assistieren. Nach einer abendlichen Probe wird er gefragt, ob er wohl noch weiter üben wolle. Ja, freilich – und der Jugendliche bekommt den Schlüssel für den menschenleeren Dom und bleibt allein mit der Orgel in der Kathedrale und kann erst vor Ergriffenheit gar nicht spielen.
Ab 1985 absolviert der Schüler die C-Ausbildung für nebenamtliche Kirchenmusiker. Er assistiert weiterhin dem Domorganisten Wünsch, und als dieser zum Domkapellmeister aufsteigt, vertritt ihn, wenn er den Chor dirigiert, Georg Hagel an der Orgel. Nicht nur bei Pontifikalämtern, auch bei festlichen Messen mit den Bamberger Symphonikern unter Horst Stein und bei Konzertreisen mit dem Domchor nach England, Italien und Belgien. Der Abiturient Hagel sitzt an der Orgel, als 1987 Werner Radspieler zum Bischof geweiht wird und der Bayerische Rundfunk den Gottesdienst live überträgt.
Kaum nötig zu sagen, dass Georg Hagel die Aufnahmeprüfung am Mozarteum Salzburg besteht. Dorthin hat ihn Professor Edgar Krapp gewiesen, der Bamberger Landsmann, den er nach einem Konzert im Dom angesprochen hat, Krapp, bei dem ein Konzertbesuch in Vierzehnheiligen den Wunsch ausgelöst hat, Organist zu werden.
Hagel beginnt sein Studium im Fach Kirchenmusik und – ganz ungewöhnlich – zugleich im Konzertfach Orgel. Bei den Salzburger Festspielen lernt er einen Kometen am Organistenhimmel kennen, den Franzosen Olivier Latry, der kurz zuvor, 1985, mit 23 Jahren, Titularorganist von Notre Dame in Paris geworden ist. Ihn besucht Hagel, darf – wie einst als Schüler im Bamberger Dom – nachts allein in der Kathedrale spielen, wie damals ein Erlebnis, das ihn ergreift und sich einprägt. Latry ist nicht der einzige Lehrer. Wie für einen ambitionierten Musikstudenten üblich, besucht Georg Hagel neben dem Studium bei den Professoren Edgar Krapp und Herbert Metzger Meisterkurse, in Zürich, in Wien, in London. In Paris darf er dem großen Oliver Messiaen über die Schulter schauen und vorspielen.
Georg Hagel hat das B-Examen noch nicht abgelegt, da erfährt er vom Bamberger Domkapellmeister Werner Pees, dass in Vierzehnheiligen eine Notlage herrscht. Kurz vor dem Weihnachtsfest 1990 steht die Basilika ohne Organisten da. Vom Heiligabend bis Dreikönig sitzt Georg Hagel bei den Gottesdiensten an der alten Orgel, die zusätzlich zu ihren Mängeln bei der großen Restaurierung in den 80er Jahren gelitten hat. Der Guardian, P. Dominik Lutz, ist angetan vom Spiel, und so erhält nach einer Ausschreibung der 23jährige Georg Hagel, der gerade sein B-Diplom erworben hat, die Stelle des Basilikaorganisten von Vierzehnheiligen, in den ersten Jahren verbunden mit der Verpflichtung, auch in der Klosterkirche von Banz zu spielen.
Künftig sieht die Woche von Georg Hagel so aus: Von Montag bis Freitag Doppelstudium in Salzburg, am Freitagnachmittag mit dem Auto nach Vierzehnheiligen oder Banz, Dienst übers Wochenende, dann zurück nach Salzburg. Und trotz dieser ungewöhnlichen Belastung besteht er die A-Prüfung für Kirchenmusiker und erwirbt parallel das Solistendiplom für Orgel, beides mit Auszeichnung. Und er erlangt mit einer musikwissenschaftlichen Arbeit den Magistergrad. Das österreichische Kultusministerium würdigt ihn, den Jahrgangsbesten, mit einem Förderpreis. Obwohl er angesichts solcher Erfolge allen Grund hätte, sich zufrieden zurückzulehnen, versteht sich Georg Hagel bis heute nicht als fertigen Musiker, ist er weiterhin Lernender geblieben. Besonders Paris, besonders Professor Latry und Pierre Pincemaille, der Organist von St. Denis, sind seine Lehrer nach dem Studium.
1993 wird Georg Hagel neben seiner Tätigkeit als Basilikaorganist einer von sieben Regionalkantoren in der Erzdiözese Bamberg, verantwortlich für die Dekanate Lichtenfels, Coburg, Kronach und Teuschnitz. Hier bildet er künftige Organisten heran, und er stärkt sie durch Vertrauen, so wie er es in seinem Werdegang immer wieder erfahren hat. Aber es gehört auch dazu, dass er, wie etwa beim Heinrichsfest vor wenigen Jahren, einen 300köpfigen Chor leitet.
Seit 1988 gibt es nach langer Unterbrechung mit Thomas Eichfelder wieder einen selbständigen Orgelbaumeister in Bamberg. Natürlich sucht ihn der Salzburger Student Hagel alsbald auf, und durch den guten, freundschaftlichen Kontakt lernt er viel – überdurchschnittlich viel selbst für einen A-Organisten – über Orgelbau. Und er kann es brauchen in Vierzehnheiligen, wo die alte Orgel ständig kleinerer Reparaturen bedarf.
Dominik Lutz will eine neue Orgel, doch das erweist sich als schwierig. Das Landesamt für Denkmalpflege, zu dem der Guardian ein notorisch schlechtes Verhältnis hat, will zumindest den Prospekt aus dem 19. Jahrhundert erhalten und weitestgehend unverändert wissen, P. Dominik und auch der Organist wollen ein Instrument, das dem Bau klanglich angemessen ist. Nach Jahren erst findet man eine Lösung, woran Georg Hagel in seiner buchstäblich verbindlichen Art einen gehörigen Anteil hat. Die traditionsreiche Orgelbaufirma Rieger im Bregenzerwald erhält den Auftrag.
dass der Organist die Disposition „seiner“ Orgel mitentwirft, das ist verständlich, das ist bei einem A-Musiker gewiss normal. Aber Georg Hagel tut mehr. Er nutzt seinen Jahresurlaub, um bei Rieger mitzuarbeiten. Er gießt im Asbestanzug Zinnpfeifen, er hobelt Holzpfeifen. Er macht den Lkw-Führerschein, um den Sattelzug, den der heimische Fuhrunternehmer unentgeltlich zur Verfügung stellt, selbst nach Vorarlberg zu fahren, um „seine“ Orgel selbst an ihren Bestimmungsort zu bringen. Das ist mehr als bloße Spielerei (die dabei nicht fehlt), da zeigt sich die ganze Hingabe Hagels an seinen Beruf, die Kirchenmusik in Vierzehnheiligen.
Und auch wenn das schon acht Jahre her ist – Georg Hagel hat bis heute eine kindlich-ehrliche Freude an diesem Instrument mit seinen 70 Registern. Er wird nicht müde, „seine“ Orgel Interessierten vorzustellen, ob es Musikkenner sind oder bloß Neugierige, ob es Einheimische sind oder Touristen, ob es Landfrauen sind oder Studenten oder Mitglieder von Kulturvereinen oder, wie im vergangenen Jahr, das Kuratorium der Stiftung Frankfurter Musikpreis. Und immer findet er dabei den richtigen Ton. Ich habe mehrere solche Führungen miterlebt, und es war stets so, als wäre die Orgel ganz neu. Immer war das Leuchten in den Augen, in seinen und dann auch in denen seiner Zuhörer.
Es ist keine bloß technisch-musikalische Führung, die man von Georg Hagel erhält. Da ist immer auch Bezug da zum Kirchengebäude, zum geistlichen Leben in Vierzehnheiligen, zu den Nothelfern. Und von ihnen, den Heiligen, spricht er so ungezwungen-selbstverständlich, dass – ich habe die betreffende Führung selbst miterlebt – ein evangelischer Geistlicher aus Norddeutschland daheim in seiner nächsten Predigt davon geschwärmt und einen ganz neuen Zugang zur Heiligenverehrung gefunden hat.
Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Orgelführungen immer weiter wächst, und wenn irgend möglich, versagt sich Georg Hagel solchen Bitten nie – so wie er kaum einen abweist, auch kaum einen Laienmusiker, der einmal auf der Orgel spielen will. Auf die erstaunte Frage eines Frankfurter Kuratoriumsmitglied, woher diese Begeisterung rühre, die ihn nie an Arbeitszeiten denken lasse, sagt er schlicht, er sei halt ein Beschenkter und wolle einfach von der Gnade, die er erfahren habe, etwas weitergeben.
Es ist musikalische, speziell kirchenmusikalische Missionsarbeit, die Georg Hagel betreibt. Und er kennt nicht nur seine Orgel in- und auswendig, er ist in vielen Kirchen in weitem Umkreis daheim, in evangelischen wie katholischen, weiß über die berühmten Instrumente wie in Lahm im Itzgrund ebenso Bescheid wie über unscheinbare, aber kulturgeschichtlich doch bedeutsame Orgeln. Auch ihre Besonderheiten und ihr Innenleben vermag er zu vermitteln, und er tut es bereitwillig. Ich erinnere mich an eine Führung in der evangelischen Kirche von Watzendorf, wo er, wie üblich, die Orgel mit geübten Griffen auseinandernahm unter den erschreckten Mienen der Watzendorfer, die wohl gar ein katholisches Attentat aufs lutherische Instrument fürchteten. Und am Ende belagerten ihn, der gleich eine kleine Reparatur vorgenommen hatte, die Einheimischen und wollten wissen und hören, und einer trat den Blasebalg (was es wegen des elektrischen Gebläses sonst nicht brauchte), um den ursprünglichen Klang der Barockorgel zu erzeugen.
Georg Hagel ist fraglos ein Virtuose, doch ihm geht es nicht um Virtuosität, nicht um die Kunst an sich, sondern um den kulturellen Prozess. Er bekommt zu Recht den Kulturpreis, denn ihm liegt wenig daran, absolute Kunst im luftleeren Raum zu schaffen, sondern ihm ist es darum zu tun, die Kunst auch an den Mann und die Frau zu bringen. Und er zeigt seine Virtuosität gerade im Berufsalltag: wenn eine Gruppe Wallfahrer einzieht, müde und verschwitzt, und wenn es für ihn, den Organisten, vielleicht schon das sechste Wallfahreramt des Tages ist, wenn auch er vielleicht schon müde und verschwitzt ist. Für die Einziehenden aber, das weiß er, ist es ihr erstes Amt am Tag, sie sind jetzt da, wohin sie vielleicht über Tage gewallt sind. Sie verdienen – so sein Credo –, dass er spielt, als sei er gerade ausgeruht auf die Orgelempore gestiegen, als habe er heute nur für sie zu spielen. Ich glaube, diese Hingabe an die Aufgabe durchzieht sein Spiel, und das spüren die Menschen.
Georg Hagel hat eine Konzertreihe in Vierzehnheiligen geschaffen, vor fünf Jahren wohl. Es sind nicht lange, abendliche Konzerte für eine „erlesene“ Zuhörerschaft, sondern halbstündige Konzerte, von Mai bis Oktober an jedem Freitagnachmittag. Meist spielt er sie selbst, wenn er nicht jungen Kollegen eine Chance zum öffentlichen Auftritt gibt. Und da ist die Basilika oft voller Menschen, die diese 30 Minuten Orgelmusik hören wollen. Vierzehnheiligen steht allein, abends ist es hier oft menschenleer, keine Großstadt ist in der Nähe. Da würden große Konzerte, häufig durchgeführt, wohl nicht „laufen“. Georg Hagel hat das rechte Format für die Landschaft gefunden – und genau dadurch das kulturelle Leben bereichert, weit über den näheren Umkreis hinaus. Und dass die Musik zum Ort passt, dafür sorgt er auch als fachkundiger Berater des Musiksommers Obermain, wenn auswärtige Ensembles in den Kirchen hier am Obermain auftreten.
Ist ein solches Schauen aufs Machbare einem Künstler von Format angemessen? Macht sich der Orgelvirtuose da nicht klein? Ich glaube, das Gegenteil ist richtig. Hagels Haltung passt unbewußt zum Ort, in dem er spielt, zum Werk des wahrhaft genialen Balthasar Neumann. Der wollte nicht primär Zeugnisse der eigenen Schaffenskraft hinterlassen, der war nicht auf das Verwirklichen seiner Selbst gerichtet, sondern er wollte den konkreten Auftrag am konkreten Ort unter den konkreten Voraussetzungen auf bestmögliche Weise erfüllen. Der plante nach „Gelegenheit der Sachen“, nach den ganz speziellen Verhältnissen. Und schuf gerade dabei, gerade dadurch Werke von überzeitlichem Rang.
Wer Georg Hagels Orgelführungen erlebt, der erfährt in der Regel auch, dass hier bei allem Künstlertum kein eindimensionaler Musiker, kein weltfremder Virtuose wirkt – so wie er bei aller Frömmigkeit alles andere als ein Frömmler ist.
Für den Wechsel von der alten zur neuen Orgel findet Georg Hagel nicht zufällig Metaphern aus ganz anderen Lebensbereichen: früher ein klappriger Käfer, jetzt ein Ferrari. Schwere Motoren faszinieren ihn ganz offensichtlich, vor seinem Haus steht ein Unimog, und das Klingelschild lautet: Georg Hagel, Organist und Pilot.
Denn vom Spieltisch aus hat er Sportflugzeuge und Segler vorbeiziehen gesehen, er hat den Flugplatz in Lichtenfels aufgesucht, ist in einer einmotorigen Maschine mitgeflogen und davon nicht mehr losgekommen.
Als 1999 die Orgel in Vierzehnheiligen eingeweiht wird, muss unbedingt Olivier Latry spielen, der Pariser Lehrer. Der sagt zu – und kurz vor dem großen Tag wieder ab, denn er hat einen Termin am folgenden Tag in Wien übersehen. Latry muss spielen, Latry spielt. Und landet am nächsten Morgen, geflogen von seinem Schüler, wohlbehalten in Wien.
Wenn man Georg Hagel nach seinen Träumen fragt, dann hört man nicht allzu viel. Denn er ist, seit er mit 23 hier Organist geworden ist, zumal, seit er mit 31 die neue Orgel bekam, am Ziel. Aber eines vielleicht doch: In Lichtenfels aufsteigen, in Paris Le Bourget landen, dann ein großes Konzert in Notre Dame spielen. Und dann zurückkommen.
Georg Hagel ist hier daheim. In der Basilika, an dieser Orgel. Sein Haus ist so gebaut, dass er vom Schlafzimmer aus Vierzehnheiligen sieht. Und wer nach seinen Sternstunden als Künstler fragt, der hört nicht von seinen Konzertreisen nach Japan oder in die USA oder in andere Länder – wovon er mit Fug und Recht erzählen könnte und woran er auch seine Freude hat. Nein, als Sternstunden schildert Georg Hagel die Momente, da er während des Kommuniongangs einer Wallfahrt improvisiert, die Momente, da in dem prachtvollen, lichtdurchfluteten, weihrauchgeschwängerten Raum er selbst das Gefühl bekommt, Instrument, Werkzeug zu sein.
Ein undankbares Geschäft ist es, Georg Hagel nach seinen Wünschen zu fragen. Weil er eigentlich keine hat. Weil es sich für ihn so gefügt hat, dass er seinen Ort in jungen Jahren gefunden hat. Man hört, wenn man in ihn dringt, bloß den Wunsch, noch recht lange in „seinem“ Vierzehnheiligen an „seiner“ Orgel wirken zu können. Ein guter Wunsch. Für uns in Oberfranken jedenfalls wäre seine Erfüllung ein Glück.

Foto: Franz Stopfer - Anklicken vergrößert!

26. 10. 2007/Th