"Der Erste Weltkrieg – Forschungstendenzen und Forschungsperspektiven"

Doktorand Alexander Kropp, M.A., referiert auf Universitätsniveau im Fach Geschichte

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Der Erste Weltkrieg wird als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet, die Europas Rolle als bestimmenden Faktor der Weltpolitik beendete und den Aufstieg der beiden Großmächte USA und UdSSR begründete. Der „Große Krieg“ war der erste, mit modernsten Waffen geführte Krieg, der europaweit mit „Hurra“-Rufen begrüßt wurde, im Stellungs- und Grabenkrieg die neue, brutale und Menschen verschleißende Qualität hervortreten ließ, um schließlich 1918 mit neun Millionen Toten und dem Hinwegfegen einiger jahrhundertealter europäischer Monarchien endete.
   Alexander Kropp, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Bamberg, beschäftigt sich schon länger in Seminaren und Veranstaltungen mit seinen Studenten und Studentinnen mit diesem historischen Ereignis, welches nicht nur Europa auf lange Sicht verändern sollte.
    Die Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe hatten die Möglichkeit, in der Aula der Schule einer Vorlesung zu diesem komplexen Thema beizuwohnen, wobei Herr Kropp hier vor allem am Beispiel die Methodik wissenschaftlichen Arbeitens und dem Umgang mit den "Werkzeugen des Historikers" (Ahasver von Brandt) erläuterte. Nicht nur für Jugendliche, die erwägen, nach dem Abitur eventuell einmal Historiker werden zu wollen, eine interessante Erfahrung, die einen sinnvollen Einblick ins Universitätsleben und den kritischen Umgang mit verschiedenen Positionen zu einem (geschichtlichen) Thema ermöglichte.
    Herr Kropp erläuterte zunächst seinen Werdegang. Wollte er zu Beginn seines Studiums noch Journalist werden, entschied er sich nach einer Zeit als  Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag doch für die Universitätslaufbahn und sein Steckenpferd, die Geschichte. Derzeit promoviert er über Albert Speer, Hitlers ehemaligem "Architekten", der sich General-bauinspektor der Reichshauptstadt nannte, und ab 1942 als Reichsminister für Bewaffnung und Munition und zum Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Festungsbau, Wasser und Energie fungierte.
   Zunächst informierte der Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geschichte der Otto-Friedrich- Universität über die Arbeitsweise eines Historikers und betonte hierbei, das monokausale Erklärungen für geschichtliche Phänomene letztendlich nicht möglich sind, man immer wieder kritisch hinterfragen, verschiedene Sichtweisen miteinander vergleichen und die Quellenlage immer wieder differenziert untersuchen muss. Außerdem hob er hervor, dass es wenig sinnvoll sei, historische Daten auswendig zu lernen, wenn man sie nicht in den entsprechenden geschichtlichen Kontext betrachten und interpretieren könne.
   Das zentrale Thema seines Vortrages, an dem er dann beispielhaft und sehr gut nachvollziehbar wissenschaftliches und textkritisches Arbeiten erläutern konnte, beschäftigte sich mit dem Ersten Weltkrieg und hier vor allem mit Forschungstendenzen und Forschungsperspektiven. Er erläuterte den Schülerinnen und Schülern die so genannte Fischer-Kontroverse der 60er Jahre, ohne die bis heute ein sinnvolles Sprechen über die Gründe für dieses verheerende Ereignis am Anfang des 19. Jahrhunderts nicht möglich ist.
    Die konzentrierten und interessierten Kollegstufenschüler hatten am Ende die Möglichkeit, Fragen an den Referenten zu stellen, welche dieser anschaulich und verständlich erläuterte.
    Insgesamt boten diese zwei Schulstunden die Möglichkeit, eine andere Art von Unterricht kennen zu lernen und auch zu erleben, auf welche Art und Weise universitäre Vorlesungen ablaufen. Ein Veranstaltung, die mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren Platz in unserer Schule finden wird.
Wolfgang Metzner

Foto: St. Thienel - Anklicken vergrößert

14. 02. 2008/Th