Buchempfehlung

Autor: Rainer Maria Schröder

Titel: Die lange Reise des Jakob Stern

Bild von Jenny Weiß

Angaben zum Buch

Angaben zum Buch:
Erscheinungsort: München
Erscheinungsjahr: 2003
Auflage: 1.Auflage
Verlag: Bertelsmann
Taschenbuch: nein
Folgebände: nein
Buchgattung: Abenteuergeschichte
Leseprobe: S.45-47

Angaben zum Autor:
Rainer M. Schröder wurde 1951 in Rostock geboren, hat vieles studiert und allerlei Jobs ausprobiert, bevor er sich für ein Leben als freier Autor entschied. Seit Jahren begeistert er seine Leser mit seinen exakt recherchierten und spannend erzählten Abenteuerromanen. Seine Bücher wurden in zehn Sprachen übersetzt und erreichten allein in Deutschland eine Auflage von 5 Millionen. Nachdem Rainer M. Schröder lange Zeit ein wahres Nomadenleben mit zahlreichen Abenteuerreisen in alle Erdteile führte, lebt er heute mit seiner Frau in einem kleinen Ort an der Atlantikküste Floridas.

 

Inhalt:
Als Jakob Stern im März 1935 mit seinem Vater in die Stadt gehen wollte, erlebte er Schreckliches.

Sein Onkel Simon wurde von den Nazis durch die Straßen getrieben und erlitt ziemlich schlimme Verletzungen. Der sonst so perfekt gekleidete Mann hatte ein blutverschmiertes Gesicht mit aufgeplatzten Lippen, seine Hose war so weit abgeschnitten, dass man seine langen Unterhosen sehen konnte, und er hatte keine Schuhe an. Er war ohne Jackett, die Weste klaffte weit auf und wies an der rechten Schulter einen langen Riss auf, die Krawatte fehlte und Blutspritzer hatten den aufgesprungenen Hemdkragen verschmutzt. Seine Brille hatte nur noch ein Glas und dieses war mit vielen Sprüngen versehen. Doch die größte Demütigung war, dass er ein Pappschild mit der Aufschrift "Ich bin ein dreckiger Jude und will mich nie wieder über Nazis beschweren" tragen musste, welches er mit seiner eigenen Handschrift geschrieben hatte, und dass alle Menschen auf ihn spucken durften.

Jakobs Vater glaubte, dass die Zeit, in der Juden verfolgt wurden, bald zu Ende ginge, doch die Mutter befürchtete, dass es noch viel schlimmer werde. Dadurch stritten sich die beiden, während Jakob lauschte! Er wollte kein Jude sein. Doch in seinem Zimmer war in der Nacht die Wolke der Angst schwärzer als die Nacht. Leider behielt die Mutter Recht: Es wurde noch viel schlimmer. Und diesmal traf es nicht andere, sondern ihre eigene Familie.

In der Schule musste Jakob mit dem einzigen anderen Juden in der Klasse in der Judenbank abseits der anderen sitzen. Im Unterricht zeigte der Lehrer die typischen Merkmale der Juden an ihnen, und wenn er Lust hatte, schickte er die beiden nach draußen an die Wand, holte sie nach einer halben Stunde wieder herein, fragte den Stoff der letzten halben Stunde ab und stimmte dann den Sprichwörtern zu, indem er sagte: "Da seht ihr wieder, wie blöd Juden sind!" Jakob und Erich wurden daraufhin von den "Ariern" ausgelacht.

Der Laden von Jakobs Eltern wurde mit dreckigen Aufschriften lackiert, die die Kundschaft vertreiben sollten. Jeden Abend wischten Jakob und sein Vater die Lackierungen ab. Als eines Tages dann auch noch die Fensterscheibe eingeschlagen wurde, ließ sein Vater den Glaser kommen, um die kaputte Scheibe auszutauschen. Doch am nächsten Abend wurde die Fensterscheibe wieder eingeschlagen, und diesmal plünderten die Nazis den Laden komplett aus und schenkten den "Ariern" die Zigaretten und Zigarren. Jakobs Eltern hatten den Job verloren, genau wie Onkel Simon auch, und Juden wollte auf jeden Fall niemand mehr einstellen. Erich prahlte jeden Tag davon, dass er auswandern werde, doch dies verzögerte sich noch ziemlich lange.

Nachdem Jakob auch noch seinen einzigen und besten Freund Max verloren hatte, ging für ihn die Welt unter. Max war in der HJ (Hitler-Jugend) und seine Eltern waren in der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei). Er durfte sich nie mehr bei ihnen blicken lassen. Eines Abends schlich sich Jakob aus dem Haus, um in das Kino in einen Film zu gehen, den gesehen zu haben alle seine Klassenkameraden prahlten. Doch er musste in kurzer Hose und kurzen Ärmeln aus dem Haus gehen, damit niemand merkte, dass er Jude war. Denn es hieß, dass "Arier" viel härter seien als alle anderen. Jakob durfte eigentlich nicht ins Kino, denn wie in vielen öffentlichen Gebäuden war es Juden untersagt, diese zu betreten. Der Plan klappte super und der Film war schön. Doch beim Nach-Hause-Gehen kam ihm eine Hitler-Jugend-Gruppe entgegen und fragte ihn, was er hier mache. Da sagte er: "Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ich ein dreckiger Jude bin! Schaut mich doch an, ich habe keine krumme Nase und auch keine Plattfüsse!" "Stimmt, und ein Jude würde bei diesem Wetter mit langer Hose und Jacke herumlaufen. Heil Hitler!" , brüllten sie, und Jakob tat es ihnen gleich. Doch da sah er Max in der Gruppe, aber dieser verriet ihn nicht. Jakob ging um die Ecke, lehnte sich gegen die Hauswand und musste brechen. Er weinte und dachte sich: Ich habe wirklich "dreckiger Jude" gesagt und "Heil Hitler" gerufen. Er fühlte sich sehr schlecht.

Durch neue Gesetzte war die Demütigung noch schlimmer geworden: z.b. mussten Juden jetzt ein großes "J" mit sich tragen und in ihren Pässen stand bei den Männern der Name Israel und bei den Frauen Sara. Doch dann, als man dachte, es würde nicht schlimmer kommen können, kam die Reichskristallnacht und mit ihr auch viel Verwüstung, Tod und viele Gefangene. Man hörte schon die ganze Nacht Schreie, Nazigruppen und Stiefelschritte von der Straße in Jakobs Haus. Plötzlich hörte seine Familie im Treppenhaus schwere Stiefelschritte, die in ihrer Etage aufhörten, und dann klopfte es an der Tür. "Macht auf, ihr dreckige Judenbrut", brüllten die Nazis, und weil keiner aufmachte, schlugen sie die Türe ein. Jakob hatte Angst genauso wie seine Mutter. Mit ihr stellte er sich in den Gang und musste mit ansehen, wie die Nazis seine Mutter verprügelten, und empfand dann selber Schmerz, als die Nazis ihn zur Seite schoben. Sie brüllten dauernd: "Wo ist denn der dreckige Judenanwalt und wo der Familienvater?". Jakobs Vater fanden sie dann, knüppelten ihn nieder, schlugen ihn und nahmen ihn mit in ein Straflager genommen. Doch Onkel Simon kriegten sie nicht,denn der sprang selber aus dem Fenster. "Das ist gut, dann müssen wir nicht so viel Zeit mit ihm vergeuden, wenn er selber aus dem Fenster springt", sagten die Nazis und gingen wieder.

Die nächsten vier Wochen wurden hart! Jeden Tag beteten Jakob und seine Mutter! Einmal für Onkel Simon, aber vor allem für den Vater, dass er bald aus dem Straflager zurückkam. Jeden Tag rannte die Mutter zu den Behörden und wollte ihren Mann wieder haben. Lange konnte man ihr nicht helfen, doch wie aus dem Erdboden stand plötzlich Jakobs Vater in der Tür. Doch sein Anblick war ziemlich erschütternd. Er hatte eine Glatze, sein Gesicht sah viel älter aus und man hatte ihm das Lachen abgewöhnt. Noch an diesem Abend war für die Mutter klar: "Der Junge muss hier raus!" "Was heißt raus?", fragte Jakob. "Es gibt eine jüdische Auswanderungsbehörde, die schickt jeden Monat einmal Drei- bis Siebzehnjährige nach England. Dort bist du frei." Die Mutter schrieb ihn sofort in eine Liste, obwohl der Vater dagegen war. Dauernd redete sie ihm ein, sie würden bald nachkommen! "Mach dir keine Sorgen." Doch Jakob glaubte es noch nicht, seine Eltern vielleicht nie wieder zu sehen. Am letzten Tag vor seiner Abfahrt bestrich die Mutter ein Käsebrot, das ausgehöhlt war und in das sie zwei Zehnmarkscheine legte. Am Bahnhof angekommen, musste er auf seinen Namen warten, um dann in den Zug zu steigen. Zum Glück war Jakob ziemlich spät im Alphabet dran (weil er Stern heißt), so dass er noch ein bisschen Zeit mit seinen Eltern verbringen konnte. Doch als auch sein Name aufgerufen wurde, sah er noch einmal auf seine Eltern und wusste nicht, dass er sie nie mehr wieder sehen sollte.

Nachdem der Zug losgefahren war, musste er nur noch die holländischen Kontrollen überwinden und schon war er auf der Fähre nach England. Dort lernte er Viktor und Erika kennen, die mit ihm sein Schicksal teilten. Viktor teilte mit ihm nicht nur sein Schicksal, sondern auch die Zimmerkoje. Viktor wollte ihm dauernd Zigaretten anbieten, und obwohl Jakob versuchte, sich nicht hinreißen zu lassen, geschah es dann doch, und er probierte eine Zigarette. Er musste zugeben, dass sie ziemlich lecker schmeckte. Doch auch in England wurden sie nicht sehr höflich empfangen und fühlten sich dort nicht zu Hause. Ziemlich lange hielten es Jakob und seine Freunde in England nicht aus, denn sie hatten gehofft, dortihre neue Heimat zu finden.

Eines Tages bekam Jakob zufällig von einer Schiffüberfahrt nach Amerika mit. Die Chance sehend, endlich in Frieden leben zu können, berichtete er seinen Freunden von der Idee. Sie meldeten sich für eine letzte Schiffüberfahrt nach Amerika an. Wenn sie diese Reise überstünden, hättem sie es geschafft. Doch auch auf dem Meer herrschte nun Krieg. U-Boote, Flugzeugträger und viele andere Kriegsmaschinen fuhren auf dem Meer herum. Viele Tage hörten sie unter sich die Explosionen von Torpedos, die zum Glück nur andere trafen. Nur noch einen Tag waren sie nun von Amerika entfernt und alle Warnungen wurden aufgehoben. Und dann passierte es doch: Das Schiff wurde torpediert. Jakob und seine Freunde hatten Angst, dass das Schiff unterging. Tatsächlich drohte das Schiff zu sinken und sie kamen dem Meeresspiegel immer näher. Die Spannung stieg ins Unermessliche. Ob sie es schafften, doch zu überleben und das Festland zu erreichen, müsst ihr schon selber nachlesen.

Begründung der Empfehlung:
Ich habe dieses Buch vorgestellt, weil es interessant ist zu erfahren, wie es den Menschen damals vor und im Krieg erging, vor allem den von den Nazis verfolgten Juden. Manchmal ist es nichts für schwache Nerven. Die Spannung wird dauernd aufrecht erhalten und man will ständig weiter lesen!

SEHR ZU EMPFEHLEN !!!

Dieses Buch wurde vorgestellt von Daniel Vosswinkel

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Ulrich Koch Unterrichtshomepage für Deutsch und Englisch am FLG Bamberg