GÜNTHER GRASS – Nobelpreis für Literatur 1999

Informationen aus dem Internet bearbeitet von Simon Keidel

1. Die Preisverleihung
2. Die Jury und ihre Entscheidung für Günther Grass
3. Die Reaktionen

1. Nach Thomas Mann (1929) und Heinrich Böll (1972) wird Günter Grass 1999 Literatur-Nobelpreisträger

"Der deutsche Schriftsteller Günter Grass erhielt den Literatur-Nobelpreis 1999", das teilte die Schwedische Akademie am 30. September in Stockholm mit. Der Nobelpreis ist mit 7,9 Millionen Kronen, umgerechnet rund 1,8 Millionen Mark, dotiert. Wie alle anderen Nobelpreise wird der Literaturpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), überreicht.

2. "Entscheidung für Günther Grass war "ganz klar" "

Selten ist der Stockholmer Jury die Entscheidung für den Literatur-Nobelpreis so leicht gefallen wie dieses Mal. Lediglich zwei Sitzungen benötigte das Gremium, dessen Mitglieder sonst für wochenlange Debatten und Beschimpfungen bekannt sind.

"Der letzte Preis dieses Milleniums" müsse an einen besonders würdigen und unumstrittenen Preisträger gehen, hatten die Stockholmer Medien gefordert. Nach der Mitteilung, daß Günther Grass der Ausgezeichnete sei, hieß es dann einhellig: "Mit ihm sei der richtige gefunden worden." Auffällig war auch, daß der neue Akademiechef Horace Engdahl schon vorher eine nicht unbedingt übliche Einigkeit des Gremiums öffentlich hervorhob: "Diese Entscheidung ist uns sehr leicht gefallen".

"Die Menschen suchen immer nach der ganz großen literarischen Erzählung", meinte Per Olov Enquist, einer der meist gelesenen schwedischen Autoren kurz vor der Entscheidung für Grass. Dem schwedischen Publikum und wohl auch den Nobelpreis-Juroren, so die einstimmige Meinung der Beobachter, ist vor allem die "Blechtrommel" als ein so großer Wurf in Erinnerung geblieben, den es in der Weltliteratur nicht oft gibt. Immer wieder aber nannten die schwedischen Kommentatoren auch das politische Engagement von Grass als wichtigen Hintergrund für die Zuerkennung des Nobelpreises. Besonders seine Beiträge zur deutschen Wiedervereinigung nahmen starken Einfluß auf öffentliche Debatten. So sah er in dem Einheitsstreben des Jahres 1990 einen neuen deutschen Größenwahn entstehen und ein Unrecht gegen die Bevölkerung der DDR wie gegen die Nachbarn, vor allem Polen. Daß der 71-jährige Schriftsteller seine Skepsis diesbezüglich so unbeugsam und öffentlich vertrete, wurde ihm in Skandinavien stets positiv angerechnet.

Mit der Verleihung des Literatur-Nobelpreises erhält Grass eine Auszeichnung, die längst überfällig war. Denn seit den "Buddenbrocks" von Thomas Mann hat es kein Buch gegeben, das wie die "Blechtrommel" schon allein den Nobelpreis verdient hätte.

3. Die Reaktionen

Der Bundeskanzler, von der Nachricht beim Mittagessen überrascht, will dem Geehrten sofort ein Telegramm schicken. Die Schriftstellerkollegen sind begeistert, bis auf Herbert Achternbusch.

Der Preisträger: "Ich empfinde Freude und Stolz. Ich habe mich spontan gefragt, was wohl der letzte deutsche Preisträger Heinrich Böll sagen würde. Ich habe das Gefühl, er wäre damit einverstanden gewesen. Dieser Preis ist eine große Genugtuung für mich."

Bundeskanzler Gerhard Schröder kommentierte die Ehrung am Rande eines Mittagessens mit dem tschechischen Ministerpräsidenten in Prag mit den Worten: "Das ist toll!"

Bundespräsident Johannes Rau: "Ich freue mich mit meinem langjährigen Freund. Günther Grass hat den Preis wahrlich verdient."

Herbert Achternbusch, streitlustiger Autor und Filmemacher, sagte: "Das Mittelmaß setzt sich durch, da kannst´ nichts machen. Ich kenne Günther Grass nicht, und ich mag ihn auch nicht. Er hoffe nur, daß der Autor die Auszeichnung für seinen Roman "Die Blechtrommel" bekommen habe und nicht auch noch für seine Illustrationen.

PEN-Präsident Christoph Hein meinte: "Das Land kann stolz sein."

Schriftstellerin Christa Wolf: "Ich freue mich sehr. Mit den Nobelpreisen für Nelly Sachs, Heinrich Böll und nunmehr Günther Grass ist die deutsche Nachkriegsliteratur sehr würdig vertreten."

Der Schriftsteller Stefan Heym sagte: "Ich freue mich mit ihm zusammen. Da kann man nur gratulieren." Außerdem, so der 86-jährige Schriftsteller sei es schön, daß es wieder einen deutschen Nobelpreisträger für die Literatur gibt.

Der Präsident der Akademie der Künste Berlin György Konrad würdigte Grass als einen "der wenigen, die den Versuch unternommen haben, ... eine eigene Version des 20. Jahrhunderts zu entwickeln." Er bewundere Grass in der Öffentlichkeit: "immer Menschen verteidigend, solidarisch mit Minderheiten, mit Flüchtlingen, mit Menschen in Not, unabhängig, ob es politisch opportun ist."

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der den Roman "Ein weites Feld" (Roman, in dem Grass die deutsch Einigung und ihre Fehler verarbeitete; sein Versuch, den von der Großkritik lang ersehnten großen Gegenwartsroman zu schreiben) vor vielen Jahren vehement verrissen hatte, meinte, daß Grass die Ehrung längst verdient habe, "schon vor 20 oder zehn Jahren. Daß die letzten Bücher schlechter sind als sein Frühwerk, spielt dabei keine Rolle."

 

Start Unterrichtshomepage: www.homepage.bnv-bamberg.de