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Silke Kanzora, 10c Anklicken vergrößert |
von Christian Dietrich Grabbe: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung Freitag 19. 5. um 19:30 Uhr in der Unteren Turnhalle (Eintritt frei, Spenden erbeten) und am Sonntag 28. 5. um 20:00 Uhr im Großen Haus des ETA-Hoffmann-Theaters (Eintritt € 4 für Erwachsene, 3 € für Schüler, Spenden verboten) Vorverkauf für die Vorstellung am 28. 5. im Sekretariat in der zweiten Pause (11:15-11:25 Uhr) sowie zwischen 12:50 und 14:00 Uhr „Ich will
hier nur bemerken, daß besagter Dietrich Grabbe einer der
größten deutschen Dichter war und von allen unseren
dramatischen Dichtern wohl als derjenige genannt werden darf, der die
meiste Verwandtschaft mit Shakespeare hat. [...] Aber alle seine
Vorzüge sind verdunkelt durch eine Geschmacklosigkeit, einen
Zynismus und eine Ausgelassenheit, die das Tollste und Abscheulichste
überbieten, das je ein Gehirn zu Tage gefördert.“
(Heinrich Heine) |
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Vorinformation: Die
Verantwortlichen weisen das verehrte Publikum darauf hin, dass dieses
Stück bösartige Angriffe gegen Journalisten, Bauern, Lehrer,
Schriftstellerinnen, Adlige, Schauspieler, Frauen, Männer,
Schüler, Handwerker, den Schöpfer und gegen die deutsche
Literatur enthält. Da es – worauf der Verfasser ausdrücklich
hinweist - auch sich selber verspottet, mögen alle politisch
inkorrekten und pädagogisch eher wenig wertvollen Bemerkungen von
selbigem Publikum gnädigst verziehen werden. Tomaten, Eier und
andere Projektile sind somit vor Beginn an der Garderobe abzugeben.
Hauptinformation: Grabbes 1822 entstandenes Stück ist einerseits eine bitterböse Satire, andererseits ein großer Klamauk, der das Genre der Hochzeits- und Verwechslungskomödie parodiert, das wir zu genüge aus Seifenopern kennen: Weil in der Hölle Großputz ist, wird der Teufel von seiner Großmutter auf die Erde geschickt und erfriert prompt. Er wird von vier Naturhistorikern gefunden, die ihn in das Schloss bringen, wo er wieder zu Kräften kommt. Vor der höfischen Gesellschaft, der Baronin, ihrer geistreichen Nichte Liddy, deren Verlobten Wernthal, dem Hofdichter Rattengift und dem Schulmeister gibt er sich als Generalsuperintendent der Kirche aus. Aus Rache dafür, dass Liddy ihm ein Zimmer im Schloss angeboten hat – denn Wohltaten sind dem Teufel bekanntlich zuwider –, beschließt er ihre Hochzeitspläne zu durchkreuzen. Nach Irrungen und Wirrungen, Liebesbeteuerungen und Geschäften, zwölf Morden, einer unzüchtigen Jagd, einem missglückten Überfall sowie dem bedeutendsten Besäufnis der deutschen Literatur (wir bitten alle anwesenden Drogenbeauftragten und Abstinenzler für diese Szene ausdrücklich um Entschuldigung!) kommt es zum Happy End. Zusatzinformation: Grabbe ist der Inbegriff des tragisch gescheiterten Genies. Dem 1801 geborenen Sohn eines Zuchthausverwalters bleibt nach dem Jurastudium eine Theaterlaufbahn ebenso versperrt wie die erwünschte Karriere als freier Schriftsteller. Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen wird er Gerichtsbeamter beim Militär in Detmold. Sein ausschweifender Lebenswandel, sein verworrenes Liebesleben und eine unglückliche Ehe, vor allem aber ständige alkoholische Exzesse führen zu geistigem und körperlichen Verfall und im Jahre 1835 zu einem frühen Tod. In seinen Stücken zeigt er eine Welt, die heillos aus den Fugen geraten ist, weil Oberflächlichkeit, Geldgier, Selbstsucht und Borniertheit regieren. Alles ist käuflich, Wissenschaft und Bildung liegen am Boden, für den eigenen Vorteil sind die Leute bereit über Leichen zu gehen, die Masse der Menschen ist dumpf, ihre Eliten sind inkompetent oder korrupt. Selbst Liddy, der einzigen uneingeschränkt sympathischen Figur des Stückes, gelingt es nicht sich den Konventionen zu entziehen. Denn die althergebrachten Werte der adligen und der bürgerlichen Welt sind überholt, auch wenn man noch verbissen an der Ordnung festzuhalten versucht. Und neue Werte sind noch nicht in Sicht. Letztlich ist Grabbe ein Moralist, der der biedermeierlichen Gesellschaft den Zerrspiegel vorhält und ihre Schwächen schonungslos karikiert. Beruhigend zu wissen, dass wir nach nunmehr fast 200 Jahren diesbezüglich deutlich weiter sind... Sg
Wohin mit dem Teufel, wenn in der Hölle Großputz ist?
Was bekommt man für ein Dutzend Erstklässler? Wie verrechnet man Intelligenz bei Frauen? Wie unmoralisch sind 16 Kondome? Was tun gegen Liebeskummer? Ist Alkohol eine Lösung? Wie primitiv können Männer sein? Wie ist die Welt? Woran erkennt man das wahre Genie? Teuflischer Dank für Kost und Logis! Die Vorteile von Heringsliteratur |
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