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| Ist der Teufel ein Journalist, eine Pastorentochter oder eine deutsche Schriftstellerin? Die Mittelstufenbühne brachte die 1822 verfasste, von Anspielungen überbordende Literaturkomödie „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ von Grabbe auf die Bühne. Der Reigen absurder Grenzgänger mit seinen karikierenden Seitenhieben auf Dichterfürsten, Kritikerpäpsten und den Kunstbetrieb wird im Rahmen der „Bamberger Schultheatertage“ nochmals am Sonntag, 28.05.2006, um 20.00 Uhr im „Großen Haus“ des E.T.A. Hoffmann-Theaters aufgeführt. Ein kurzweiliger Abend mit beißendem Spott, aberwitziger Komik und eine an den Fundamenten des Theaters rüttelnde Konzeption kann dem Zuschauer garantiert werden. Die Großmutter des Teufels, streng und lasziv von Dominika Králová verkörpert, schickt ihren Enkel auf die Erde, weil in der Hölle Großputz ansteht. Ihr Enkel, der sehr facettenreich und prägnant von Jana Mathes gespielt wird, leidet an der Kälte auf dem Erdenrund, erfriert jämmerlich und wird von vier Naturhistorikern gefunden (Zarah Bruhn, Lena Lange, Lea Sopper und wiederum die Králová als pseudointellektuelle, besserwisserische Professoren). Nach langen „wissenschaftlichen“ Überlegungen kommen sie zu dem Schluss, dass so ein hässliches Wesen nur eine deutsche Schriftstellerin sein kann. Sie bringen den Unbekannten auf das Schloss der überheblichen, steinreichen Baronin von Haldungen (schön dargestellt von Denise Pohlig), deren geistreiche Nichte Liddy, die in einer erfreulich ironischen Art von Vanessa Fischer gespielt wird, gleich zwei Verehrer hat. In den adeligen Gemäuern kommt der Teufel wieder zu Kräften, vor allem nachdem er mit teuren Kunstwerken ein Kaminfeuer angezündet hat, in das er sich setzt und genussvoll Kohlen verzehrt. Die Hofgesellschaft wird ergänzt durch den narzistischen, schleimigen Hofdichter Rattengift - mit wilder Frisur und Schnurrbart grotesk von Silke Kandzora gegeben - und Liddys Verlobtem Herrn von Wernthal. Tobias Schmitt verkörpert den schmachtenden, aber auch verschrobenen Liebhaber auf sehr gekonnte Art und Weise und kann in seinem Liebesdrang nur durch Schnupftabak im Zaum gehalten werden. Dass gleichzeitig auch der Dorfschulmeister - Alexander Seelmann witzig und vielseitig als verkannter, saufender Intellektueller - vor Ort ist, liegt daran, dass er Gottliebchen, den Sohn des Bauerntrampels Lene und ihres fett-feisten Ehemannes Tobies (dumm-naiv dargestellt von Anouk Rich, Karolina Kraus und Katharina Stark) dem Adelshof als neues Genie vorstellen möchte. |
Teuflisch schön
Der Teufel (Jana Mathes) hat‘s schon schwer: in der Hölle ist großes Saubermachen angesagt, also geht's auf die Erde - dort ist es auch nicht besser, denn da erfriert der Teufel prompt und wird von vier Wissenschaftlern (Zahra Bruhn, Dominika Králová, Lena Lange, Lea Sopper) entdeckt und im Schloss der Baronin von Haldungen (Denise Pohlig) und deren Nichte Liddy (Vanessa Fischer) aufgetaut. Wieder fit, gibt er sich vor der Gesellschaft, zu der auch der Schulmeister des Dorfes (Alexander Seelmann), dessen Schützling (Anouk Rich), Liddy‘s Verlobter Herr von Wernthal (Tobias Schmitt) sowie der Hofdichter Rattengift (Silke Kandzora) gehören, als Generalsuperintendent der Kirche aus. Um sich für ein angebotenes Zimmer zu rächen, (denn schließlich mag der Teufel keine Gefälligkeiten) will er die Hochzeitspläne der beiden Verlobten durchkreuzen. Eines muss von vornherein gesagt werden: Die Schauspieler spielten sensationell. Jeder einzelne überzeugte in seiner Rolle über alle Maßen. Ich war schlichtweg begeistert. Kleine Anmerkung des Kritikers: Wenn der Teufel wirklich so schön ist - na dann ab in die Hölle! Das Bühnenbild war gut ausgesucht und wurde multifunktional genutzt, somit gab‘s keine langen Umbauzeiten – Optimal! Auch die Beleuchtung ließ keine Wünsche offen, es wurde mit vielen Effekten gearbeitet, was die Darbietung sehr gut unterstützte. Vor allem aber die Musik traf den Nerv der Szene exakt - wunderbar. Christian Penzel,Kl. 10 b Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule |
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Nur der
Oberlehrer und der schrullige Dorfschmied (Agnieszka Kozielska)
erkennen, dass sie es wirklich mit dem Teufel zu tun haben und
beschließen, ihn in einem Käfig zu fangen, um ihn auf
Jahrmärkten auszustellen. Die anderen lässt Luzifer im
Glauben, er sei Generalsuperintendent der Kirche. Liddy, die sich
für den skurrilen Typen interessiert, bietet ihm ein Zimmer auf
dem Schloss an. Als eine Parodie auf Hochzeits- und
Verwechslungskomödien beschließt nun der Teufel, die
Heiratspläne der gut aussehenden Dame zu durchkreuzen, denn
Wohltaten sind dem Mann der Hölle bekanntlich zuwider. Es gelingt
ihm, sie von Wernthal, der hochverschuldet ist, für 20 000 Taler
abzukaufen. Gleichzeitig verspricht der Teufel dem Casanova und
Haudegen Mordax (sich selbst überhöhend und eitel ausgespielt
von Simon Dibbern) die Braut an sich nehmen zu dürfen, wenn er
dafür 12 unschuldige Erstklässler töten würde, was
dann in einer paradox-pantomimischen Fechtszene auch geschieht.
Mittlerweile ist auch Mollfels, der hässlichste Mann der Welt aus
Italien in seine Heimat zurückgekehrt. Er wird
neurotisch-depressiv und vom Liebesschmerz gequält dargeboten von
Anne Schmitt in einer Hosenrolle. Mollfels liebt Liddy wirklich und ist
am Boden zerstört, als er erfährt, dass sie bereits mit
Wernthal verlobt ist und beschließt, sich selbst umzubringen.
Doch wird er von Rattengift und dem Schulmeister davon abgehalten,
indem sie sich mit dem Schüler Gottliebchen hemmungslos bis zur
Besinnungslosigkeit betrinken. Nicht umsonst gilt diese Szene unter
Kennern als das gelungenste Besäufnis der Literatur, das von den
Akteuren witzig, abwechslungsreich und brillant ausgespielt wurde.
Im in der Nähe gelegenen Park – visualisiert mit beweglichen Bäumen und einem sehr unsteten Kirchturm (Laura Brandl, Karina Oppelt, Johannes Wiegel, Denise Arnold) werden noch letzte Intrigen geschmiedet und der Showdown kann losgehen. Der Schulmeister fängt den Teufel in einem Käfig, wobei ihm 16 Kondome, die den Teufel wie alle unmoralischen Dinge magisch anziehen, als Köder dienen. Unter einem Vorwand in ein verruchtes Wirtshaus gebracht, verzweifelt Liddy fast und möchte sich gar, Emilia Galotti gleich, mit einer Haarnadel erdolchen. Die Baronin und ihre Nichte werden von Mordax und Wernthal überfallen, jedoch gelingt es dem zufällig vorbeikommenden Mollfels und Liddy, die plötzlich mit Bärenkräften ausgestattet ist, die Tunichtgute zu Boden zu schlagen. Auch der Schulmeister kommt vorbei mit dem gefangenen Teufel. Doch Rettung für die Höllenbrut naht: der Großputz „daheim“ ist vorbei, die elegante und schöne Großmutter tritt auf und befreit – mit Eva Siegert als unterwürfigem Diener Nero im Schlepptau – ihren Enkel, der als Lösegeld dem Schulmeister Pfötchen geben muss. Ende gut, alles gut, man will gerade kräftig feiern, als der „vermaledeite Grabbe, der Verfasser dieses Stückes“ dem Treiben ein Ende setzt. Hier fungiert Regisseur Ulrich Steckelberg im Zylinder und schwarzen Frack als Schriftsteller, der sich auch noch selbst verspottet, nachdem im ganzen Stück recht bösartige Angriffe – gekonnt mit Gegenwartsbezug vom Spielleiter aktualisiert – gegen Journalisten, Bauern, Lehrer, Schriftstellerinnen, Adlige, Schauspieler, Frauen, Männer, Kinder und Handwerker zu sehen und zu hören waren. Mit flotten und eindrucksvollen Ideen gelang des dem Leiter der Mittelstufenbühne einmal mehr, eine große Menge Schauspieler zum reibungslosen, präzisen und witzigen Spiel zu bringen. Eine wirklich fulminante Leistung, ermöglicht durch den großen und disziplinierten Einsatz der Darsteller vor der postmodern-coolen und ziemlich schrägen Kulisse, die Bernd Schaible mit den Referendaren aus dem Studienseminar Kunst mit großem Arbeitsaufwand entworfen hat. Die verschiedenen Spielorte auf der Bühne wurden gewohnt gekonnt von den Technikern Lorenz Sykora, Robin Bruhn, Julian Meier, Andreas Hartl, Stefanie Mathy, Stefan Stangen und Maximilian Isenrath ausgeleuchtet. Camilla Wehnert, Nina Sebald, Olga Artes und Johanna Lang gelang es mit Bravour, die Masken der verschiedenen Charaktere ausdrucksstark zu gestalten. Wolfgang Metzner
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