"Heute wird´s so richtig intim!" – Improleten zeigen ein Feuerwerk an Premieren
Ein ganz neues Theatergefühl vermittelten die sieben Mitglieder der
seit diesem Schuljahr aktiven Mitglieder der neu gegründeten
Improvisationstheatergruppe unter der Leitung von Martin Stübinger.
Zarah Bruhn, Steffi Bischoff, Silke Kandzora, Anne Schmidt, Conny
Weidner, Sophie Zwosta und Jonny Walzer luden das Publikum zu einem
spannenden, unvorhersehbaren, abwechslungsreichen und witzigen Abend
ein und boten auch den Zuschauern die Möglichkeit an dieser besonderen
Art "Theatersport" mitzuwirken.
Da wurde pantomimisch und geräuschvoll eine Maschine zum Herstellen von
Salamibrötchen imitiert, und wenn zwei Schauspieler eine Person spielen
müssen, wird es interessant, wenn ein Hund in die Wohnung der Nachbarin
pinkelt. Kreativ, reaktionsschnell, einfallsreich und mit einer großen
Portion Humor führten die Akteure in immer neue Welten ein, die nur
durch das Zurufen weniger Begriffe aus dem Zuschauerraum spontan
kreiert werden mussten. Da sitzt ein Schriftsteller an seiner
Schreibmaschine, denkt laut über den zu verfassenden Text seines Romans
"Versteckt im Keller der blauen Häuser" nach, der dann zeitgleich im
Hintergrund nachgespielt wird. Wenn der Autor dann ins Stocken gerät,
muss eben Hans-Dieter als deus ex machina helfen, dass die Szene zu
Ende gebracht werden kann. Gestenreich und toll die Darstellung der
Gebärdendolmetscherin, die eine Live-Sendung der Nachrichten zum Thema
"Knut frisst einen Seehund" übersetzen muss. Da konnte man lauthals
lachen, wie es ja eingangs in den Erläuterungen zu den Regeln des
Improvisationstheaters auch gewünscht wurde. Schwierig wird es auch,
wenn man eine Talkshow zum Thema "Bier um zehn" nachspielen muss, dabei
aber nur eine festgesetzte Anzahl von Wörtern pro Satz verwenden darf.
Da lässt sich Situationskomik zum Glück nicht verhindern. Gefühle
spielen eine große Rolle im Improvisationstheater. Wenn dann
abwechselnd eine hysterische, eine beunruhigte, eine stille, eine
verständnisvolle, aber auch nasenbohrende Figur dem Spielpartner aus
der Mausefalle helfen muss, kommt es zu abstrusen Situationen, und das
Publikum wartet gespannt, was nun wieder Neues passiert. Aber auch
dieses wird zur aktiven Mitarbeit aufgefordert, müssen doch zwei
Zuschauer unbewegliche Puppen in einem Fußballspiel zum Leben erwecken,
für Bewegung, Mimik und Gestik bei ihren Marionetten sorgen, was gar
nicht so einfach ist. Schickt man in der nächsten Impro-Runde einen
Spieler hinaus, der dann einen Wissenschaftler darstellen soll, welcher
aber im Interview nicht weiß, was er eigentlich erfunden hat, nur durch
die Fragen des Reporters herausfinden kann, dass es sich um eine
"Regentropfenzählmaschine" handelt, dann ist große Konzentration und
schnelle Reaktion gefordert – ein spannender Moment!
Immer wieder müssen die "Improleten" rasch auf Zurufe oder das
Verhalten ihrer Mitspieler reagieren, dürfen nicht den Faden verlieren
– eine Aufgabe, die sie mit Bravour erledigen. Viele abwechslungsreiche
Szenen, die geboten wurden, und es bleibt den "Improleten" nur zu
wünschen, dass sie beim nächsten Mal noch viel mehr Besucher begrüßen
dürfen. Übrigens sucht die Truppe noch Mitspieler und würden neue
Gesichter gerne in ihren Reihen begrüßen.
Wolfgang Metzner
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