
Plakat: M Stübinger
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„Du denkst, wenn man auf Nägeln läuft,
wird man nicht dicker“
Letzte Vorstellung der „Improleten“
Vier Jahre lang bestand die flotte Gruppe, welche ihr Publikum ein
jedes Mal durch Tempo, Wortwitz und Kreativität mit abwechslungsreichen
und unvorhersehbaren Szenen konfrontiert(e). Unter der Leitung ihres
Mentors Martin Stübinger, der in gekonnter Weise immer wieder auch die
Untermalung der Szenen am Klavier übernommen hatte,
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improvisierten
Zarah Bruhn, Tonia Lohneis, Sophie Zwosta, Jonas Eberth, Tobias Schmidt
und Joschka Vetten mit viel Spontaneität und auf nahezu professionelle
Weise Szenen des Lebens, des Alltags und der absurden Phantasie.
Leider – und das sei mit einem lachenden und einem weinenden Auge
gesagt - konnten die Zuschauer nun zum letzten Mal einen wunderschönen
Abend genießen, bei dem, aus den verschiedensten Gründen, kein Auge
trocken blieb. Unerhörte Szenen, bewegende Dramen und mehr oder weniger
melodische Lieder, welche die Lachmuskeln strapazierten, teilweise aber
auch zum durchaus kritischen Nachdenken anregten.
Zarah Bruhn verstand es von der ersten Sekunde an, die ihr untergeben
Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Als dominante Lehrerin machte Sie
das Publikum mit den Grundformen des Anstands und den Regeln des
Improvisationstheater bekannt, was soweit führte, dass ein verdutztes
Mädchen sogar auf der Bühne seinen Namen tanzen muss. Und dann werden
die „Versager“ auf die Bretter, welche die Welt bedeuten, gerufen und
das Spiel – oder besser gesagt, die vielen Spiele – kann (können)
beginnen. Alle Anwesenden zählen die anstehende Szene ein und mit dem
„Freece Tag“ erlebte man Tobias Schmidt, der gekonnt sein weibliches
Gegenüber im Fahrstuhl anmachte oder Tonia Lohneis, die einen
pinkelnden Hund auf gekonnte Art und Weise mimte. Hohe Konzentration
zwang das ABC-Spiel den Akteuren Jonas Eberth und Joschka Vetten ab,
die auf einer Wanderung in den Bergen eher mit der Qualität ihrer
Schuhe als mit der Anstrengung in den Bergen beschäftigt waren. Muss
man sich dabei aber bei den Satzanfängen des Dialogs an die Reihenfolge
des Alphabets halten, ist dies ungleich schwerer, als nur gemütlich
durch die Natur zu gehen.
„Einer spricht alle“ – hier zeigte Jonas Eberth sein schauspielerisches
Können und sein großes Potential an Witz, musste er doch gleichzeitig
und flexibel den Text von drei pantomimisch agierenden Kolleginnen auf
der Bühne sprechen, jeweils seine Stimm- und Gefühlslage dem Charakter
der Figur anpassen, was ihm auf kongeniale Art und Weise in einer
wunderbaren Persiflage gelang.
Ist man in der Realität des Lebens stets darauf bedacht, der
Niveaulosigkeit des Fernsehens zu entfliehen, macht es bei den
Improleten sehr viel Spaß, sein Programm durch lautes Zurufen selbst zu
gestalten. So hat man dann das Vergnügen, Tonia Lohneis als Rotwein
trinkendes Baby kennen zu lernen, um das sich Sophie Zwosta als „Super
Nany“ in mehr oder weniger liebevoller Weise kümmert. Und dem
unaufgeklärten Zuschauer wird endlich bewusst, dass die „stille Treppe“
ein durchaus sinnvolles pädagogisches Mittel zu sein scheint. Das der
„Vater“ des Kindes mit der Erziehung völlig überfordert ist, weiß
Tobias Schmidt sehr humorvoll und facettenreich zu vermitteln, was
wiederum sein großes Theatertalent beweist.
Klassiker des Improvisationstheaters erfreuten auch an diesem Abend
wieder alle Anwesenden. Sei es der Gebärdendolmetscher, der rasant
schnell, mit hoher Präzision und genialer Mimik und Gestik nahezu
akrobatisch die „Nachrichten“ zweier Sprecherinnen um Fernsehen
„übersetzte“, sei es eine rückwärts gespielte Szene, in welchem eine
Haufrau dem Milchmann begegnet, aber dem Betrachter verdeutlicht wurde,
es handle sich nicht um das, wonach es aussehe. Ein Date mit einem
aggressiven, Daumen lutschenden und überfütterten Jüngling muss zu
verwirrten Reaktionen der Dating-Partnerin führen. Und wenn die gleiche
Szene um das Kennenlernen eines nun schon lange verheiraten Pärchens
auch als gereimtes Drama, als Oper und als Ausdruckstanz interpretiert
wird, dann muss man Begeisterungsstürme beim Zuschauer hervorrufen.
Immer wieder müssen die „Improleten“ rasch auf die Zurufe oder das
Verhalten ihrer Mitspieler reagieren, dürfen nicht den Faden verlieren
– eine Aufgabe, die alle Beteiligten mit Bravour erledigen. Ein toller
Abend. Wir werden die „Improleten“ vermissen.
Wolfgang Metzner
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