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'Heiligeisdorf' |
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Die Tragödie ist
Nachahmung tätiger Menschen [...], Aristoteles Poetik, 14 Programm „Heiligeisdorf“ Inhalt: Im Wald ist etwas geschehen. Blätter rauschen, Bäume – oder sind es Figuren? - schwanken leicht hin und her. Sonst nichts. Oder doch? Man spürt, da gibt es noch etwas, etwas gar nicht Gemütliches in diesem Wald, eine Wand des Schweigens, hinter der ein Schrecken liegt. Durch diesen Wald gelangt eine Fremde auf der Suche nach ihrem vermissten Bruder in das un-heimelige Heiligeisdorf, wo sie immer wieder gegen diese Wand aus eisigem Schweigen anrennt. Niemand weiß nix: nicht die Frauen des Dorfes, schon gar nicht die Männer, in kryptischen Andeutungen vielleicht der Dorfdepp. Die Kinder wissen zwar etwas, dürfen aber unter Androhung von Strafe nichts wissen. Das Gesetz des Schweigens und die Angst beherrscht alle Dörfler: die Familien, die Wirtshaushocker und die Kirchgänger. Auch ist es besser, den Wald zu meiden. Die fremde Frau aber stellt Nachforschungen an. Manche Erinnerung quält sich ins Hirn der Leute zurück, als sie der Frau begegnen, mancher Alptraum verfolgt die Schläfer, manche Angst schleicht sich in die Kinderherzen ein. Sonst nichts. Keine Lösung. Doch dann beginnt der Wald zu reden. |
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Interpretation Das Stück
„Heiligeisdorf“ einer Straubinger Schülergruppe unter der Leitung von Karlheinz
Frankl zeigt in der Tradition der engagierten sozialkritischen Volksstücke die
durch Rohheit, Engstirnigkeit, Fremdenfeindlichkeit und Missgunst geprägte
Stimmung einer Dorfgemeinschaft. Die traditionellen Hackordnungen in den
Familien, in den sozialen Positionen, zwischen den Geschlechtern und den
Generationen werden offenkundig durch das Eindringen der Fremden in ihre
heilige Eisdorf-Ordnung. Jeder weiß von jedem und jeder (fast) alles, und jeder
darf das, was ihm auf Grund seines Platzes in der Dorfgemeinschaft zusteht.
Allenfalls die Kinder stehen noch an der Schwelle. Auch bei ihnen gibt es schon
Dominanzrituale und Brutalitäten, aber andererseits noch Wünsche, naive
Sehnsüchte und Gewissensbisse. (nach Winfried Steinl) Inszenierung Dargestellt wird eine
einfache, auf archaische Gefühle und Verhaltensweisen reduzierte Welt.
Reduktion wird somit auch zum Grundprinzip unserer Inszenierung. Keine
Technik, keine aufwändigen Kulissen oder Kostüme, keine Begleitmusik soll die
düstere Welt des Heiligeisdorfes „ins rechte Licht“ setzen. Es geht um
einfache, langsame Menschen, die wenig sprechen, noch weniger reflektieren,
deren Konflikte sich eher in ihren Körpern spiegeln. Unsere Inszenierung will
nicht verführen, aber sie zielt auf den intensiven Eindruck einer Darbietung
aus einem Guss, sie will Furcht und Mitleid beim Publikum hervorrufen. Auf
Szenenapplaus bitten wir deshalb zu verzichten.
Uli Steckelberg
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