2 in 1: 'Aufgeträumt' und
'Heiligeisdorf'
15. /16. Juli 2005, 19.00 Uhr, Freilichtbühne und Untere Turnhalle
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Plakat

Die Tragödie ist Nachahmung tätiger Menschen [...],
und dadurch, dass sie Mitleid (éleos) und Furcht (phóbos) erregt,
bewirkt sie die ihr eigentümliche Reinigung (he kátharsis) derartiger Affekte.

Aristoteles Poetik, 14

Programm „Heiligeisdorf“

Inhalt:

Im Wald ist etwas geschehen. Blätter rauschen, Bäume – oder sind es Figu­ren? - schwanken leicht hin und her. Sonst nichts. Oder doch? Man spürt, da gibt es noch etwas, etwas gar nicht Gemütliches in diesem Wald, eine Wand des Schweigens, hinter der ein Schrecken liegt. Durch diesen Wald gelangt eine Fremde auf der Suche nach ihrem vermissten Bruder in das un-heimelige Heiligeisdorf, wo sie immer wieder gegen diese Wand aus eisigem Schweigen anrennt. Niemand weiß nix: nicht die Frauen des Dorfes, schon gar nicht die Männer, in kryptischen Andeutungen vielleicht der Dorfdepp. Die Kinder wissen zwar etwas, dürfen aber unter Androhung von Strafe nichts wissen. Das Gesetz des Schweigens und die Angst beherrscht alle Dörfler: die Familien, die Wirtshaushocker und die Kirchgänger. Auch ist es besser, den Wald zu meiden. Die fremde Frau aber stellt Nachforschungen an. Manche Erinnerung quält sich ins Hirn der Leute zurück, als sie der Frau begegnen, mancher Alptraum verfolgt die Schläfer, manche Angst schleicht sich in die Kinder­herzen ein. Sonst nichts. Keine Lösung. Doch dann beginnt der Wald zu reden.

Interpretation

Das Stück „Heiligeisdorf“ einer Straubinger Schülergruppe unter der Leitung von Karlheinz Frankl zeigt in der Tradition der engagierten sozial­kritischen Volksstücke die durch Rohheit, Engstirnigkeit, Fremdenfeindlich­keit und Missgunst geprägte Stimmung einer Dorfgemeinschaft. Die traditio­nellen Hackordnungen in den Familien, in den sozialen Positionen, zwischen den Geschlechtern und den Generationen werden offenkundig durch das Ein­dringen der Fremden in ihre heilige Eisdorf-Ordnung. Jeder weiß von jedem und jeder (fast) alles, und jeder darf das, was ihm auf Grund seines Platzes in der Dorfgemeinschaft zusteht. Allenfalls die Kinder stehen noch an der Schwelle. Auch bei ihnen gibt es schon Dominanzrituale und Brutali­täten, aber andererseits noch Wünsche, naive Sehnsüchte und Gewissensbisse. (nach Winfried Steinl)

Inszenierung

Dargestellt wird eine einfache, auf archaische Gefühle und Verhaltensweisen reduzierte Welt. Reduktion wird somit auch zum Grundprinzip unserer Insze­nierung. Keine Technik, keine aufwändigen Kulissen oder Kostüme, keine Begleitmusik soll die düstere Welt des Heiligeisdorfes „ins rechte Licht“ setzen. Es geht um einfache, langsame Menschen, die wenig sprechen, noch weniger reflektieren, deren Konflikte sich eher in ihren Körpern spiegeln. Unsere Inszenierung will nicht verführen, aber sie zielt auf den intensiven Eindruck einer Darbietung aus einem Guss, sie will Furcht und Mitleid beim Publikum hervorrufen. Auf Szenenapplaus bitten wir deshalb zu verzichten.

Uli Steckelberg