Ganz ehrlich: wer von uns könnte schon auf Anhieb sagen, wo der
Namensgeber unserer Schule geboren wurde?
Er stammte aus dem damaligen Ostpreußen, genauer
aus Königsberg – einer Stadt, die heute (noch) den Namen Kaliningrad
(nach einem sowjetischen Präsidenten unter Stalin) trägt und
seit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr hermetisch abgeriegelt ist, sondern
wieder besucht werden kann. Auch die deutsche Vergangenheit, die vorher
ignoriert wurde, darf jetzt bei Stadtführungen wieder zur Sprache
gebracht werden. So erinnert dieser einfache Gedenkstein an den Namensgeber
unserer Schule, der hier am 24.1.1776 geboren wurde.
Wenn der Dichter jedoch heute seine Geburtsstadt
und die Stelle seines Gedenksteins sehen könnte, würde ihm der
Schock wahrscheinlich jede romantische Phantasie rauben: Ein großer,
öder Platz, umgeben von einförmigen, heruntergekommenen Wohnblöcken,
und als Abgrenzung auf der einen Seite der nie fertiggestellte riesige
Betonwürfel, der als das hässlichste Gebäude der Sowjetunion
galt und an die Stelle des 1969 gesprengten Schlosses gesetzt wurde.
Inmitten dieser städtebaulichen Tristesse steht der oben abgebildete
Stein mit der Aufschrift in russischer Sprache und Schrift. Sie lautet
übersetzt:
Hier war das Haus, in dem der deutsche Schriftsteller
und Komponist der Epoche der Romantik
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann
die ersten Jahre seines Lebens verbrachte.
Günter Mahr
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